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01 | 2018 NEWS

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u Unternehmenssteuerung

u Unternehmenssteuerung Zahlungsströme ohne Marge enthalten dann definitionsgemäß auch keine Adressausfallrisikoprämien. Im Rahmen der Konsultation der bereits erwähnten Leitlinien der EBA haben einzelne Verbände ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es für kleinere Institute herausfordernd sein könnte, die Bruttomargen in verschiedene Zahlungsströme zu zerlegen und Kundenmarge und Adressenausfallprämien isoliert zu rechnen. Diese Anforderung wird das kommende Rundschreiben daher auch nicht stellen. Wie Credit Spreads bei der Berechnung des Zinsschocks künftig einzubeziehen sind, wird im Übrigen voraussichtlich erst durch einen künftigen RTS der EBA abschließend geklärt werden. msgGillardon: Von BCBS und EZB sind absehbar weitere Modifikationen beim „Zinsschock“ zu erwarten. Worauf müssen sich die Institute hier einstellen? Dr. Kelp: Einschneidende Änderungen bringt der neue Baseler Standard insbesondere durch die Vorgabe zur Berechnung sechs barwertiger sowie zusätzlicher ergebnisorientierter Zinsschockszenarien. Überdies werden die barwertigen Auswirkungen künftig nicht mehr auf die Eigenmittel, sondern auf das Kernkapital bezogen. Schließlich wird der an diese Verhältniszahl geknüpfte Schwellenwert, bei dem eine Prüfung von aufsichtlichen Maßnahmen geboten sein soll, von 20 Prozent auf 15 Prozent gesenkt. Inwieweit diese Änderungen vollumfänglich in die europäische Aufsichtspraxis übernommen werden, wird von der weiteren Kodifizierung in Europa abhängen. Angesichts der noch ausstehenden gesetzlichen Implementierung des Baseler Standards durch die Überarbeitung von CRR und CRD behandeln die künftigen Leitlinien der EBA den Schwellenwert von 15 Prozent als Frühwarnindikator, an deren Überschreitung noch keine automatischen aufsichtlichen Maßnahmen zu knüpfen sind. Zur Person Dr. Torsten Kelp ist Dipl.-Volkswirt. Seine Studienschwerpunkte setzte er im Bereich Geldpolitik und -theorie, Konjunkturpolitik und -theorie, öffentliche Finanzen, Statistik und Ökonometrie sowie Wirtschaftsgeschichte. Zu einem wirtschaftshistorischen Thema wurde er auch promoviert. Als Regierungsdirektor leitet er seit Anfang 2016 das neu strukturierte Grundsatzreferat Marktrisiken/Zinsänderungsrisiken/Liquiditätsrisiken bei der BaFin. Begonnen hat Herr Dr. Kelp seine bankaufsichtliche Tätigkeit 1992 im damaligen Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen. Dort war er als Referent mit den Schwerpunkten Grundsatzfragen deutsch-deutsche Währungsunion, Bilanzierungsfragen und Zuteilung von Ausgleichsforderungen an Kreditinstitute im (deutschen) Beitrittsgebiet tätig. Nach Gründung der BaFin im Jahr 2001 übernahm er wechselnde Zuständigkeiten im Bereich Genossenschaftsbanken – unter anderem war er dort auch mit Fragen rund um das Management von Zinsänderungsrisiken befasst. Als Fachreferent beaufsichtigte er seit 2010 die Zentralinstitute und Hypothekenbanken der genossenschaftlichen Finanzgruppe und begleitete die internationale Harmonisierung der Finanzkonglomerateaufsicht. Hiernach leitete er für zwei Jahre ein Aufsichtsreferat der BaFin, das bestimmte Risikobereiche der Deutschen Bank Gruppe überwachte (unter anderem Aufsicht über Kreditrisiken, Marktrisiken und Zinsänderungsrisiken der DB und ihrer Töchter). In dieser Funktion war er auch Mitglied des betreffenden Joint Supervisory Teams im SSM der EZB. 40 I NEWS 01/2018

Unternehmenssteuerung t Prof. Dr. Konrad Wimmer, msgGillardon msgGillardon: Herr Prof. Dr. Wimmer, künftig erwartet die Aufsicht, dass die Risikotragfähigkeit sowohl nach der normativen als auch nach der ökonomischen Perspektive dargestellt wird. Bitte skizzieren Sie uns diese neuen Perspektiven und geben Sie uns eine kurze Einschätzung, ob die Neuausrichtung nur mehr Aufwand für die Institute bringt oder ob sich auch Vorteile ergeben. Prof. Dr. Wimmer: Gemäß der normativen internen Perspektive müssen alle regulatorischen und aufsichtlichen Anforderungen eingehalten werden. Dies betrifft nicht nur die umfangreichen Kapitalanforderungen, sondern auch die Strukturanforderungen wie zum Beispiel die Großkreditgrenzen. Die ökonomische Perspektive ist unabhängig von Vorgaben der handelsrechtlichen Rechnungslegung oder regulatorischen Vorschriften. Das ökonomische Eigenkapital wird vielmehr nach dem Barwertprinzip ermittelt – die Aufsicht lässt dabei methodische Vereinfachungen zu. msgGillardon: Die Aufsicht erwartet, dass die Institute künftig das Zusammenspiel zwischen der normativen und der ökonomischen Perspektive abbilden. Könnten Sie dies anhand von Beispielen verdeutlichen? Prof. Dr. Wimmer: Dieses Zusammenspiel wird noch näher zu definieren sein. Die deutsche Aufsicht nennt immerhin beispielhaft Credit-Spread-Risiken im Anlagebuch. In der ökonomischen Perspektive mindern diese das Risikodeckungspotenzial, während die normative Wirkung vom handelsrechtlich definierten Abschreibungsbedarf abhängt. Der besteht bei einer voraussichtlich dauerhaften Wertminderung nach § 340 e Abs. 1 HGB in Verbindung mit § 253 Abs. 3 S. 5 f. HGB. Ebenfalls kann man sich hier die Kreditrisikovorsorge vorstellen. Nach IFRS 9 muss prinzipiell für jede Kreditforderung der erwartete Verlust für ein Jahr ermittelt werden. Erst bei einer signifikanten Bonitätsverschlechterung ist auf den sogenannten Expected Loss over Lifetime abzustellen. Aus ökonomischer Sicht wird der erwartete Verlust ohnehin auf die „Lifetime“ bezogen. Künftig wird die bisherige Doppelunterlegung von Risiken beim weitverbreiteten Going-Concern-Ansatz – einerseits in der Säule 1 und andererseits in der Säule 2 – vermieden. Damit wird sich an dieser Stelle eine Entlastung einstellen. msgGillardon: Wie lange erwarten Sie persönlich, dass Institute den bisher üblichen Going-Concern-Ansatz noch fortführen dürfen? Sollten Institute schon jetzt Vorbereitungen für die Umstellung aufsetzen? Prof. Dr. Wimmer: Diese bisher in der deutschen Kreditwirtschaft weitverbreiteten Ansätze können voraussichtlich bis auf Weiteres beibehalten werden. Dies ist aus Sicht der Institute, vor allem der Less Significant Institute (LSI), die diese Ansätze bislang ganz überwiegend verfolgten, sehr unbefriedigend, da zu unpräzise. Insofern ist auf jeden Fall zu empfehlen, die Umsetzung schon bald einzuplanen. Zur Person Prof. Dr. Konrad Wimmer ist promovierter Diplom-Kaufmann und bei msgGillardon für strategische Themenentwicklung verantwortlich. Sein Fokus liegt auf den Themen Bankcontrolling, Finanzmathematik, wertorientierte Vertriebssteuerung und Risikomanagement. Er berät Banken in diesen Themen und ist erfahrener Referent sowie Autor von Fachpublikationen. NEWS 01/2018 I 41

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